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Unternehmen Tannenberg

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Datumn:
20.10.1939

Unternehmen Tannenberg (Operacja Tannenberg)

Unternehmen Tannenberg war der Deckname einer Massenexterminationsaktion des nationalsozialistischen Deutschlands gegen die polnische Elite in den besetzten polnischen Gebieten von September bis November 1939. Sie wurde von den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei (SiPo) und des Sicherheitsdienstes (SD) durchgeführt. Es handelte sich um die erste groß angelegte, im Voraus geplante Exterminationsoperation des Zweiten Weltkriegs. Ziel war die physische Beseitigung der polnischen Führungsschicht — der Intelligenz, des Klerus, der Lehrer, politischen und gesellschaftlichen Aktivisten, Beamten, Gutsbesitzer sowie der Veteranen der Aufstände —, um Widerstand unmöglich zu machen und die Germanisierung der polnischen Gebiete zu erleichtern. Die Aktion fand unter dem Schutz der militärischen Operationen der Wehrmacht statt und war Teil der umfassenderen Politik zur Zerstörung der polnischen Nation als politisches und kulturelles Subjekt.

Vorbereitung

Die Planung begann noch vor Kriegsausbruch. Am 18. Mai 1939 legte Reinhard Heydrich Heinrich Himmler die ersten Richtlinien für den Einsatz von SiPo und SD im geplanten Krieg gegen Polen vor. In Berlin wurde die Zentralstelle II P (Polen) eingerichtet, die Karteien und Proscriptionslisten (Sonderfahndungsbuch Polen / Sonderfahndungsliste) erstellte. In den Karteien waren etwa 61.000 Namen verzeichnet, in der gedruckten „Sonderfahndungsbuch Polen“ etwa 8–9.000. Die Listen beruhten auf Materialien der Gestapo, des SD, der Abwehr sowie auf Meldungen örtlicher Volksdeutscher. Adolf Hitler genehmigte die Aktion persönlich, da er den Generälen der Wehrmacht die Liquidierung der polnischen Elite nicht zutraute und sie den unter Himmler stehenden Kräften übertrug.

Leitung und Beteiligte

  • Politische und allgemeine Leitung: Adolf Hitler (Initiator), Heinrich Himmler (Reichsführer-SS), Reinhard Heydrich (Chef der SiPo und des SD, direkte Planung im Rahmen des RSHA).
  • Operative Leitung: Sonderreferat „Unternehmen Tannenberg“ im Hauptamt Sicherheitspolizei; vor Ort führten die Kommandeure der Einsatzgruppen.
  • Wichtige Kommandeure der Einsatzgruppen:
    • EG I — Bruno Streckenbach;
    • EG II — Emanuel Schäfer;
    • EG V — Ernst Damzog;
    • EG VI — Erich Naumann;
    • EG zur besonderen Verwendung — Udo von Woyrsch;
    • sowie weitere (u. a. Lothar Beutel, Hans Fischer).
  • Zusammensetzung: Fünf grundlegende Einsatzgruppen (später ergänzt), insgesamt etwa 2.700 Angehörige (aus Gestapo, Kriminalpolizei und SD). Sie wurden unterstützt durch den Volksdeutschen Selbstschutz, Einheiten der Ordnungspolizei und die SA. Formal folgten die Gruppen den Armeen der Wehrmacht, erlangten jedoch rasch erhebliche operative Selbstständigkeit und erhielten Befehle direkt von der SS-Führung.

Schwerpunkte und Verlauf der Operation

Die Aktion begann mit dem Einmarsch am 1. September 1939 und umfasste alle besetzten polnischen Gebiete, verlief jedoch besonders intensiv in den dem Reich einverleibten Territorien:

  • Reichsgau Danzig-Westpreußen (Danziger Pommern, Umgebung von Bromberg/Bydgoszcz, Tal des Todes, Piaśnica-Wälder u. a.) — einer der schwersten Schwerpunkte;
  • Reichsgau Wartheland (Großpolen / Wartheland, Posen, Lissa/Leszno, Schrimm/Śrem, Kosten/Kościan u. a.);
  • Oberschlesien;
  • Gebiete, die Ostpreußen eingegliedert wurden, sowie das Generalgouvernement.

In Großpolen begannen am 20.–23. Oktober 1939 die ersten massenhaften öffentlichen Hinrichtungen (u. a. in Schrimm, Lissa, Kosten, Xions/Książ, Moschin/Mosina). Die Opfer wurden an Mauern, in Wäldern, Kiesgruben oder in provisorischen Lagern erschossen. Offiziell wurden die Einsatzgruppen am 20. November 1939 aufgelöst und in ständige Strukturen von SD und SiPo umgewandelt, doch die Mordwelle dauerte bis zum Jahresende an und ging in die Intelligenzaktion über.

Zahl der Opfer und Kategorien

Nach Schätzungen polnischer Historiker und des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) wurden bis Ende 1939 im Rahmen dieser Art von Aktionen (einschließlich der umfassenderen Intelligenzaktion) etwa 50–55.000 polnische Staatsbürger ermordet. Regionale Aufteilung (polnische Daten):

  • Danzig — Westpreußen: etwa 30.000;
  • Wartheland (Großpolen): etwa 10.000;
  • Generalgouvernement: etwa 5.000;
  • Oberschlesien: etwa 1.500;
  • übrige Gebiete: mehrere Tausend.

Westliche Quellen nennen häufig etwa 20.000 Opfer in der Anfangsphase (in ca. 760 Massenexekutionen). Opfer waren Lehrer, Geistliche, Aktivisten des Polnischen Westbundes, Veteranen des Großpolnischen und Schlesischen Aufstands, Beamte, Gutsbesitzer, Bauern, Arbeiter und Vertreter der Intelligenz — Personen, die die Nationalsozialisten als „Führungsschicht“ der polnischen Gesellschaft betrachteten. Unter den Getöteten befanden sich auch Juden.

Bedeutung und Folgen

Unternehmen Tannenberg diente als Experimentierfeld für spätere Massenmorde (Einsatzgruppen an der Ostfront 1941) und ging der Intelligenzaktion sowie der AB-Aktion voraus. Sie zeigte, dass die Vernichtung der Elite eines besetzten Landes bewusste Staatspolitik war und keine spontane Gewalt. Viele Hinrichtungsstätten (Tal des Todes bei Bromberg, Fort VII in Posen, Piaśnica-Wälder und Dutzende weitere) sind bis heute Orte des Gedenkens an die Opfer. Die Aktion ist durch Berichte der Einsatzgruppen selbst, Aussagen aus Nachkriegsprozessen sowie Forschungen polnischer Institutionen (IPN, Pilecki-Institut u. a.) dokumentiert.

Es handelte sich um eine genozidale Operation, die darauf abzielte, der polnischen Gesellschaft „den Kopf abzuschlagen“ und die deutsche Kolonisierung der östlichen Gebiete zu erleichtern.

    Personen

    Name Geboren Gestorben Sprachen
    1Reinhard HeydrichReinhard Heydrich07.03.190404.06.1942de, ee, en, fr, lt, lv, pl, ru, ua
    2Heinrich HimmlerHeinrich Himmler07.10.190023.05.1945de, en, lv, ru
    3Adolf HitlerAdolf Hitler20.04.188930.04.1945en, lv, pl, ru
    Schlagwörter