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Luis Stitzinger

Geburt:
16.12.1968
Tot:
30.05.2023
Kategorien:
Bergsteiger
Nationalitäten:
 deutsche
Friedhof:
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»Wir haben bewusst auf Kinder verzichtet« Alix von Melle und Luis Stitzinger sind das erfolgreichste deutsche Höhenbergsteiger-Paar. Jährlich darfs ein Achttausender sein – eigentlich. Doch manchmal will es das Schicksal anders. Ein Gespräch über Prioritäten im Leben, Mut für Entscheidungen und Verzicht.    

Und nun hat es Luis erwischt. Bandscheibenvorfall. Sie wechseln sich, so scheint es, mit schlechten Nachrichten ab. Ist der Manaslu für dieses Jahr wieder in Gefahr?
Luis Stitzinger: Solche Dinge lassen sich nun mal schlecht koordinieren. Aber wenigstens trifft es nicht immer nur einen. Die Heilung verläuft bislang sehr gut und ich bin guter Dinge, dass ich bis zum Spätsommer wieder fit bin. Im Anschluss an den Manaslu möchte ich noch eine professionell organisierte Expedition führen, einen noch unbestiegenen Sechstausender in West- Nepal. Noch haben sich nicht allzu viele Interessenten gemeldet.

Wie hat sich der Fokus auf die hohen Berge auf Ihre Lebensplanung ausgewirkt?
Stitzinger: Wir haben bewusst auf ein eigenes Haus oder Kinder verzichtet. Gerade in dem Alter, in dem man sich entscheiden musste, ob ja oder nein, waren wir beide so dick im Höhenbergsteigen drin, dass wir uns öfters besprachen und zu dem Schluss kamen: Wenn wir das so weiter machen wollen, können wir uns ein Eigenheim nicht leisten und Kinderkriegen nicht verantworten. Entweder das Eine oder das Andere, oder einer hätte mit den Expeditionen aufhören müssen. Wir wollten aber unsere Leidenschaft gemeinsam ausleben. Gerade, dass wir das zusammen tun können, macht es ja so erfüllend.

titzinger: Einen Nachteil hat der Bergsport halt: Er ist extrem zeitaufwändig. Du kannst nicht mal schnell zwei Stunden in die Tennishalle gehen. Es ist meistens der ganze Tag futsch. Dir selbst gibt es viel, aber Deine Umgebung muss in dieser Zeit auf Dich verzichten.

Stitzinger: Wenn man regelmäßig hohe Berge besteigt, dann muss man sich viele Freiräume offenhalten. Wenn einer dagegen in vielen Abhängigkeiten steht, dann muss er viel Egoismus aufbringen, weil er sich gegen viele Widerstände durchsetzen muss. Es ist ein Lernprozess, den man im Laufe der Jahre macht.

Und wie steht’s um die Altersvorsorge? Privat vorgesorgt?
Ich habe ja auch einige Zeit als Angestellter gearbeitet, insofern steht mir eine gewisse Rente zu. Weit würde ich damit aber nicht kommen. Tatsächlich habe ich mich aber auch um eine private Vorsorge gekümmert.

Die Berge geben Gelassenheit?
Genau. Viele brauchen das Gefühl, im Alltag alles im Griff zu haben. Im Leben kannst du aber nicht alles im Griff haben. Manches passiert einfach, und das muss man dann so hinnehmen. Das lernt man auch in den Bergen. Wenn man das in den Alltag mitnimmt, kann man auch ein wenig gelassener mit den Dingen umgehen. Meine Devise: Leben ist immer lebensgefährlich.
Von Melle: Man muss den Mut haben, Entscheidungen zu treffen, beim Bergsteigen und im Alltag – auch auf das Risiko hin, dass man später feststellt, dass sie falsch waren.

Source: https://bergsteiger.de/bergszene/interviews/alix-von-melle-luis-stitzinger-wir-haben-bewusst-auf-kinder-verzichtet/

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