Der Vilniusser Blutsonntag
Der Vilniusser Blutsonntag bezeichnet die Ereignisse des 13. Januar 1991 in Vilnius, als man versuchte, einen Putsch durchzuführen, indem die Streitkräfte der Sowjetunion (UdSSR), die Spezialeinheiten des sowjetischen Innenministeriums (OMON), des Inlandsgeheimdienstes FSB (ALFA) und der Staatssicherheitsausschuss der UdSSR (KGB) zur Wiederherstellung der politischen Macht der Sowjetunion in der Republik Litauen eingesetzt wurden. Während dieser Ereignisse und beim Schutz des litauischen Fernsehturms Vilnius als Mittel und Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit Litauens von der Sowjetunion wurden vierzehn Menschen getötet und mehr als 1000 Menschen verletzt. Die waffenlosen Litauer wurden teilweise von Panzern der Sowjetarmee überrollt, teilweise erschossen.
Putsch und Niederschlagung
Die Sowjetunion war nicht bereit, die Unabhängigkeit der baltischen Staaten (Singende Revolution) in der Perestrojka-Zeit hinzunehmen und reagierte in der Zeit vom April bis Mai 1990 mit einer Rohstoffblockade, die die Wirtschaft Litauens lähmte. Am 10. Januar 1991 forderte Generalsekretär Michail Gorbatschow das kommissarische Staatsoberhaupt Litauens Vytautas Landsbergis auf, die sowjetische Verfassung anzuerkennen und damit auf die Unabhängigkeit zu verzichten.
Am 13. Januar 1991, dem Vilniusser Blutsonntag, versuchten Moskau-treue Kräfte, sich mit Unterstützung sowjetischer Militärs und Spezialeinheiten an die Macht zu putschen. Dabei wurden insgesamt 14 unbewaffnete Zivilisten getötet, die Parlament und Fernsehturm in Vilnius verteidigten, über 1000 wurden verletzt. Der Putsch misslang. Als Antwort auf die blutigen Ereignisse fand am 9. Februar 1991 ein Referendum statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 85 % stimmten 90,5 % der Wähler für ein unabhängiges Litauen. Das isländische Parlament beschloss als erstes in der Welt, die Republik Litauen als unabhängigen Staat anzuerkennen.
Gorbatschow erklärte das Referendum für ungültig, das Fernsehgebäude blieb bis auf Weiteres besetzt. Bei einem Überfall der OMON-Truppen auf einen litauischen Grenzposten wurden sieben Grenzer getötet.
Nachdem im August 1991 auch in Moskau der Putschversuch kommunistischer Hardliner fehlgeschlagen war, wurde Litauens Unabhängigkeit innerhalb kürzester Zeit von über 90 Staaten anerkannt.
Die Gewalt des Vilniusser Blutsonntages stand im deutlichen Gegensatz zu der Gewaltlosigkeit des vorangegangenen Unabhängigkeitsprozesses und machte deutlich, dass die Unterdrückungsmechanismen der Sowjetunion auch in der Zeit von Perestroika und Glasnost noch wirksam waren. Letztlich führten die Demonstrationen in Litauen wie im gesamten Baltikum zur Unabhängigkeit der dortigen Staaten. Heute gehören alle drei baltischen Staaten der Europäischen Union und der NATO an.
Todesopfer
Die tragische Nacht des 13. Januar 1991 in Vilnius – Sowjetische Spezialeinheiten und Armee griffen brutal unbewaffnete Verteidiger der litauischen Freiheit am Fernsehturm und am Radio-/Fernsehgebäude an. 14 Zivilisten starben, Hunderte wurden verletzt.In jener Nacht standen unbewaffnete Menschen mit Kerzen und Liedern Panzern und Maschinengewehren gegenüber.
So starb jeder der 14 Verteidiger:
- Loreta Asanavičiūtė (23, einzige Frau) – von Panzerketten zerquetscht am Fernsehturm; starb im Krankenhaus.
- Virginijus Druskis (22, Student) – in die Brust geschossen am Turm.
- Darius Gerbutavičius (17, Schüler) – fünfmal getroffen (Beine, Arme, Rücken) am Turm.
- Rolandas Jankauskas (21, Student) – ins Gesicht von Sprengvorrichtung getroffen; starb an Verletzungen.
- Rimantas Juknevičius (24, Student) – erschossen am Fernsehturm.
- Alvydas Kanapinskas (38, Arbeiter aus Kėdainiai) – erschossen am Turm.
- Algimantas Petras Kavoliukas (51, Metzger) – einer der Ersten; von Panzer überrollt um 2 Uhr nachts.
- Vidas Maciulevičius (24, Schlosser) – ins Gesicht, Hals und Wirbelsäule geschossen.
- Titas Masiulis (28, aus Kaunas) – in die Brust geschossen am Fernsehturm.
- Alvydas Matulka (35, aus Rokiškis) – Herzinfarkt während der Ereignisse am Turm.
- Apolinaras Juozas Povilaitis (53, ältester) – mehrfach getroffen (Herz, Lunge, Arm, Oberschenkel).
- Ignas Šimulionis (17 Jahre und 27 Tage, Schüler) – in den Kopf geschossen.
- Vytautas Vaitkus (47, Klempner aus Žemaitija) – in die Brust von Fallschirmjägern geschossen.
- Vytautas Koncevičius (49) – schwer verletzt in der Nacht; starb am 18. Februar 1991 im Krankenhaus.
































